Kammerchor der Schlosskirche:„Klangvolle Kontraste“- wenn Spätromantik auf Moderne trifft“

Facettenreiches Konzert mit dem Kammerchor der Schlosskirche
Der Kammerchor der Schlosskirche unter der Leitung von Regionalkantor Sebastian Ruf bewies gemeinsam mit Organist Thorsten Rascher eindrucksvoll, wie packend und facettenreich geistliche Musik verschiedener Epochen präsentiert werden kann. Und so erlebte das zahlreich erschienene Publikum am Samstagabend (16. Mai) in der Schlosskirche ein dramaturgisch klug konzipiertes Konzert voller emotionaler Gegensätze von spätromantischer Innigkeit bis zur Dramatik und ryhthmischen Raffinesse moderner Chormusik.
„I will praise thee, o Lord!“ - schallte es gleich zu Beginn wie eine Fanfare durch den Kirchenraum. Mit Knut Nystedts rhythmisch prägnanter Motette gelang es dem Chor auf Anhieb, das Publikum in seinen Bann zu ziehen.- Ein Lobgesang, der die klanglichen Qualitäten des Ensembles wirkungsvoll zur Geltung brachte. Einen direkten, sehr berührenden Kontrast dazu bildete Edvard Griegs inniges „Ave maris stella“, und hüllte die Zuhörer in leisere, wohltuend warme Klänge. Den ersten musikalischen Höhepunkt bildete Josef Gabriel Rheinbergers doppelchörige Messe in Es-Dur - „Cantus Missae“; sie zählt zu den bedeutendsten kirchenmusikalischen Kompositionen der Romantik und nimmt eine Sonderstellung unter Rheinbergers Messvertonungen ein. Die Wahl der doppelchörigen Form steht nicht nur im Gegensatz zu vielen Messvertonungen seiner Zeitgenossen, sie spricht auch für seine Vorliebe für Kompositionsformen der Renaissance. So erinnern die ersten Takte des “Kyrie“ in ihrem Aufbau an venezianische Mehrchörigkeit, was nicht heißt, dass Rheinberger seiner Musik nicht eine ganz eigene Tonsprache verleiht. Der groß angelegte Aufbau des ersten Satzes nimmt den Zuhörer sofort durch seine ausschweifenden Melodien und farbenreichen Harmonien gefangen. Sebastian Ruf gelang mit seinem präzisen Dirigat der „große Bogen“,
sodass dem Chor eine wunderbar homogene, dynamisch ausgefeilte Interpretation dieser Bitte nach Erbarmen gelang. Auch in den übrigen, sehr kontrastreichen Messteilen bestach der Kammerchor durch Intonationssicherheit und transparente Stimmführung.
Wie souverän dieses Ensemble mit Werken unterschiedlichster Stilistiken umzugehen versteht ,,machte die mitreißende Interpretation von Zoltán Kodálys „Jesus und die Krämer“ deutlich. Ryhthmische Präzision und packende Textausdeutung ließen die biblischen Szenen im Kirchenraum greifbar werden, nicht zuletzt durch Sebastian Rufs energiegeladenes, umsichtiges Dirigat. Eine besondere Herausforderung stellte das rhythmisch äußerst komplexe „Jubilate Deo“ für Chor und Solo-Quartett des zeitgenössischen Schweizer Komponisten Ivo Antognini dar. Nicht nur der für viele Sänger ungewohnte 5/4-Takt, in dem das gesamte Stück steht, fordert durchgehend höchste Konzentration von allen Beteiligten; es sind auch die rasch wechselnden Rhythmen und unterschiedlichen Akzente, die präzise auf den Punkt gesungen werden müssen. Der sechstimmige Chor verlangt absolute Unabhängigkeit und Sicherheit jeder Stimmgruppe, da sich die Harmonien oft reiben. Darüber hinaus singen die vier Solisten (Yuka Koroyasu, Lisa Andraschko, Thomas Stiegler und Tom Storbeck) immer
wieder zeitgleich gegen den großen Chor, was große Eigenständigkeit und rhythmische Sicherheit verlangt; zudem müssen sich die Solostimmen möglichst mühelos über den „großen Chorklang“ hinwegsetzen. Das glückte in diesem Fall sehr gut, wobei Yuka Koroyasus leuchtender Sopran besondere Akzente setzte. Für den Dirigenten bedeutet dieses Stück eine ganz eigene Herauforderung, denn das hoch
energetische Stück muss in jeder Sekunde extrem präzise geschlagen, Chor und Soloquartett perfekt koordiniert werden, damit keine Gruppe vor lauter Begeisterung im Tempo „davonläuft“. All das gelang zwar noch nicht perfekt, aber doch erstaunlich gut – vor allem, wenn man die sehr kurze Probenzeit bedenkt.
Zwischendurch setzte der Organist Thorsten Rascher aus Ansbach eigene Akzente mit geschickt ausgewählten Orgelwerken, die das Programm perfekt ergänzten: Hervorzuheben sind neben Raschers eigener klangmalerischer Improvisation „Les oiseaux dansent les hauteurs pour la gloire de Dieu“, Olivier Messiaens 3.Teil seiner „L'Ascension“. Der Organist entfesselte hier ein virtuoses Klanggewitter, das die „Freude der Seele“ regelrecht spürbar machte. Besonders ruhig und zart, geradezu andächtig klang Max Regers „Ave Maria“ aus den 12 Stücken op. 80 , bevor der Chor zum Abschluss Anton Bruckners „Ave Maria“ intonierte. Wie aus himmlischen Spähren gelang eine Interpretation von intimer Ruhe und Zartheit, die nichts zu wünschen übrig ließ und dem Publikum Gänsehautmomente bescherte. Ein anspruchsvoller Konzertabend mit einem zutiefst bewegenden Abschluss, der mit begeistertem Applaus belohnt wurde. - Die einhellige Meinung vieler Besucher: „Was für ein toller Chor!“