Chor der Schlosskirche:Ausflug nach Ansbach

Chorfahrt nach Ansbach 2026
Und wieder war das Wetter den 16 Sängerinnen und Sängern des Schlosskirchenchores hold, die trotz 34 Grad Hitze wie geplant einen schönen Tag mit abschließendem „Evensong“ in der ehemaligen Residenzstadt Ansbach verbrachten.
Warum Ansbach als Ausflugsziel? Weil die beiden befreundeten Regionalkantoren Sebastian Ruf und Thorsten Rascher die Idee hatten, einmal beide Chöre zusammen einen „Evensong“ singen zu lassen. Außerdem ist Ansbach schon aufgrund seiner historischen Verbindung mit Bayreuth und der wunderschönen intakten Altstadt eine Reise wert. Also machten sich vier Autos mit den 16 reisewilligen Chormitgliedern auf den Weg, um sich um 10 Uhr am Eingang der Residenz zu treffen, deren beeindruckende Renaissance-Fassade noch heute das Ansbacher Stadtbild prägt. Dort, wo einst die Markgrafen glanzvoll ihre Macht zelebrierten, hat heute die Regierung von Mittelfranken ihren Platz gefunden. Eine Besichtigung der Residenz war für nachmittags um 14 Uhr geplant.
Da noch eine Stunde Zeit blieb bis zur Stadtführung, spazierten wir durch den ehemaligen „Hochfürstlichen Lustgarten“, den heutigen Hofgarten, dessen architektonischer Mittelpunkt noch heute die Orangerie ist, die zur Konzert- und Tagungsstätte umgebaut wurde. Mit seinen 250-jährigen Linden spendete der Hofgarten an diesem heißen Vormittag wohltuenden Schatten und natürlich waren die streng symmetrisch angelegten Blumenrabatten im französischen Stil wunderbare Fotomotive.
Um 11 Uhr wurden wir am Stadtmodell Ansbachs von unserem Stadtführer in Empfang genommen, der uns äußerst kundig und eloquent einiges Wissenswerte über die Anfänge Ansbachs erzählte, deren überlieferte Geschichte im Jahr 748 n. Chr. begann. Die eineinhalbstündige Führung verging wie im Flug und egal, welche Fragen wir hatten, sie wurden alle fundiert beantwortet. So erfuhren wir u.a., dass die Stadt an der Rezat unter den Hohenzollern zu einer der glänzendsten Residenzen ausgebaut wurde, in der sich sowohl die Renaissance als auch der barocke Absolutismus und schließlich das Rokoko widerspiegeln. Eine Reminiszenz an diese Zeit sind die seit 75 Jahren staatfindenden Ansbacher Rokoko–Festspiele, die allerdings in diesem Jahr pausieren. Stattdessen wurden wir auf unserem Spaziergang durch die Altstadt Zeugen der neuen Veranstaltung „Marktgeflüster in der Altstadt“: Rokokogewandete Gruppen ließen mit ihren Darbietungen an verschiedenen Plätzen ein vergangenes Jahrhundert lebendig werden: Fecht-Einlagen, Jagdhornbläser, Hoftrompeter, Stelzenläufer, eine historische Postkutsche u.v.m.
Willkommene Kühle umfing uns in der Markgrafen-Gruft unter der Schwanenritterkapelle von St. Gumbertus, in der sich, wie uns berichtet wurde, seit 1976 die Grablege der Markgrafen mit 25 Sarkophagen befindet, darunter auch der Sarg von Friederike Luise, der Schwester von Friedrich dem Großen und Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth. Die Krypta aus dem 11. Jh. ist der älteste noch sichtbare Bauteil Ansbachs und zeugt von der fast tausendjährigen Geschichte von St. Gumbertus, wo alle wichtigen Baustile vergangener Epochen ihre Spuren hinterlassen haben, von der Romanik bis zur Renaissance. Der heutige Kirchenraum wirkt schlicht, fast nüchtern, eher wie ein Konzertsaal, dominiert vom prächtigen barocken Orgelprospekt aus dem 18. Jh. Leider konnten wir aus zeitlichen Gründen dem mittäglichen Orgelkonzert nicht lauschen.
Nach der Besichtigung der „Schwanenritterkapelle“, in der u.a. das bedeutende Gemälde Albrecht Dürers „Christus in der Kelter“ zu bewundern ist, ging es weiter zum Denkmal des geheimnisvollen Findelkinds Kaspar Hauser, dessen wahre Herkunft bis heute ungeklärt ist und nicht nur die Fantasie der Zeitgenossen beflügelt, sondern auch zum Streit unter Historikern geführt hat. Dass er kein „geborener Erbprinz von Baden“ war, den man beseitigen wollte, ist inzwischen hinlänglich geklärt; tragisch bleibt sein Schicksal trotzdem.
Mahnmal und Baudenkmal zugleich ist die Synagoge, die wir zum Abschluss unserer Stadtführung besuchten. Unscheinbar wirkt sie, denn sie sollte nach Wunsch des Ansbacher Markgrafen von außen nicht als jüdisches Bethaus zu erkennen sein. Im Inneren jedoch präsentiert sich die Synagoge in barockem Stil wie zur Zeit ihrer Einweihung. Sie überstand den Naziterror nahezu unbeschadet und wird heute als musealer Raum genutzt, in dem das Schicksal der jüdischen Gemeinde dokumentiert ist, die heute nicht mehr existiert.
Nach einer Stunde wohlverdienter Mittagspause im „Bratwurst-Glöckl“ begann um 14 Uhr die Führung durch die Prunkräume der fürstlichen Residenz, in der zurzeit Einiges saniert wird. Wir wandelten durch stuckverzierte Räume, vorbei an den 2800 bemalten Fliesen des Kachelsaales aus der ehemaligen Fayencenmanufaktur, bewunderten das prächtige Audienzzimmer des Markgrafen und das Schlafzimmer der Markgräfin, um nur ein paar wenige der 27 Prunkräume zu nennen, bis wir schließlich in dem doppelgeschossigen Festsaal, einer der Hauptattraktionen, unseren Rundgang beendeten.
Freundlicherweise geleitete uns eine Sängerin des Ansbacher Chores ins Pfarrheim von St. Ludwig, ungefähr sechs Minuten von der Residenz entfernt, wo wir nach herzlicher Begrüßung mit Kaffee und Kuchenbüffet bewirtet wurden, als wären wir schon alte Bekannte. So fühlten wir uns auch während der intensiven Probe mit Thorsten, der zwischendurch etwas Sorge hatte, ob wohl auch alle Stücke einigermaßen gut klingen würden – schließlich hatte keiner der beiden Chöre das Programm geprobt, geschweige denn zusammen gesungen!
Natürlich gelang der „Evensong“ um 18 Uhr dann doch sehr stimmungsvoll, trotz der ungewohnten Akustik, sodass sich alle über das gemeinsame Musizieren freuten und die Ansbacher Chorfreunde einen Gegenbesuch in Bayreuth im nächsten Jahr beschlossen. Natürlich wurden wir nicht nach Hause entlassen, ohne vorher noch eine kräftige Brotzeit zu genießen und uns in lebhaften Gesprächen auszutauschen.
Die Gastfreundschaft der Ansbacher war wirklich außerordentlich und am Ende waren wir uns alle einig – Das war ein wunderschöner Abschluss eines gelungenen Chorausflugs.
Rosi Ertl