Chor der Schlosskirche:Anrührende Empfindsamkeit

Gabriel Faurés „Requiem“ in der Schlosskirche
Ein bewegendes Passionskonzert erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer am Wochenende des 21./22. März in der Schlosskirche, dessen Höhepunkt das weltweit bekannte und beliebte „Requiem“ von Gabriel Fauré bildete.
Dramaturgisch geschickt aufgebaut, erklang zunächst der „Choral in h-Moll“ (FWV 39) von César Franck, der thematisch Bezug nimmt auf J.S. Bachs „Passacaglia in c“. Virtuos interpretierte Regionalkantor Sebastian Ruf dieses komplexe, facettenreiche, fast sinfonisch anmutende Werk.
Mit Faurés „Cantique de Racine“ und dem eindrucksvollen „Miserere, my Maker“ ließ der Chor zum ersten Mal aufhorchen, bevor die Sopranistin Yuka Koroyasu mit der „Vocalise dorienne“ über „Ave Maria“ von Jehan Alain jeden Zuhörer in ihren Bann zog. Die perfekte Verschmelzung ihrer zauberhaften, fast ätherischen Stimme mit dem Orgelklang gelang der Sopranistin einzigartig! Eine Idealbesetzung für dieses Stück und die ideale Einstimmung auf den konzertanten Höhepunkt, das „Fauré-Requiem“!
Sebastian Ruf hatte sich für eine Fassung mit Orgelbegleitung entschieden, in der die farbenreiche Struktur des Orchesters auf die Orgel übertragen wird. Das bedeutet jedoch eine besondere Herausforderung für den Chor, da kein orchestraler „Klangteppich“ Ungenauigkeiten oder Intonationsmängel zudeckt. Dass eine in jeder Phase überzeugende und fesselnde Interpretation dieses weltweit bekannten und beliebten Werks gelang, zeugt von intensiver, kenntnisreicher Vorbereitung des Chores durch seinen Dirigenten und der kongenialen Begleitung durch Johannes Havla an der Orgel.
So wurde Faurés Intention, den Tod als einen „sanften Übergang, eine glückliche Erlösung.... ohne Theatalik und Dramatik, sondern als herzerwär-menden Trost“ zu beschreiben, in jedem einzelnen Satz erfahrbar. Ausgewogen besetzt in den jeweiligen Stimmgruppen entstand ein rundes, homogenes Klangbild, das der weichen Tonsprache Faurés sehr zuträglich war.
Besonders innig und anrührend gelang Yuka Koroyasu das emotionale Herzstück dieses Requiems, das „Pie Jesu“, oft als Inbegriff von Reinheit und Schlichtheit bezeichnet, bevor der Bariton Michael Wolfrum das „Libera me“ kraftvoll tönend intonierte und der Frauenchor mit dem wunderschön schwebend gesungenen „In paradisum“ das Publikum musikalisch ins Paradies geleitete.
Der Tod als Erlösung und Eintritt ins Paradies! So verstand es Fauré für sich und so reagierte das Publikum, nachdem der letzte Ton dieser zutiefst anrührenden Totenmesse verklungen war: tief bewegte Stille, dann erst begeisterter Applaus!
Rosi Ertl